Wer sich zum ersten Mal intensiver mit Alstroemerien beschäftigt, stolpert früher oder später über Begriffe wie Inticancha®, Inca®, Majestic®, Summer Paradise® oder Duchesse d’Anjou. Spätestens dann stellt sich die Frage: Was bedeuten diese Namen eigentlich?
Handelt es sich um einzelne Sorten? Sind das verschiedene Arten? Oder haben sich die Pflanzenzüchter einfach besonders kreative Namen ausgedacht?
Die Antwort lautet: Es sind sogenannte Zuchtserien.
Nicht jede Alstroemerie ist gleich
Auf den ersten Blick sehen viele Alstroemerien ähnlich aus. Sie besitzen die typischen lilienähnlichen Blüten, blühen oft monatelang und bringen Farbe ins Beet oder auf die Terrasse. Wer jedoch genauer hinsieht, entdeckt schnell große Unterschiede.
Manche bleiben klein und kompakt und eignen sich hervorragend für Töpfe und Balkonkästen. Andere werden deutlich höher und fühlen sich in Staudenbeeten wohler. Einige beeindrucken mit außergewöhnlichen Blütenfarben, andere wiederum mit auffälligem Laub, das selbst außerhalb der Blütezeit ein echter Blickfang ist. Genau hier kommen die Zuchtserien ins Spiel.
Was ist eine Zuchtserie?
Eine Zuchtserie ist eine Gruppe von Sorten, die bestimmte gemeinsame Eigenschaften besitzen.
Die Pflanzen werden über viele Jahre gezielt weitergezüchtet. Ziel ist es, bestimmte Merkmale zu verbessern oder hervorzuheben. Dazu gehören beispielsweise:
• kompakter Wuchs
• größere Blüten
• längere Blütezeit
• bessere Winterhärte
• kräftigere Farben
• höhere Pflanzen
• besondere Blattzeichnungen
• bessere Eignung für Kübel oder Beete
Die einzelnen Sorten innerhalb einer Serie unterscheiden sich meist in Farbe oder Details, besitzen aber ähnliche Grundeigenschaften.
Ein Vergleich aus dem Alltag
Am einfachsten lässt sich das mit Autos erklären.
Die Pflanzenart ist die Marke.
Die Zuchtserie entspricht einer Modellreihe.
Die Sorte ist das einzelne Modell.
Beispielsweise:
Alstroemeria → Pflanzenart
Inticancha® → Zuchtserie
Moon → Sorte
Oder:
Alstroemeria → Pflanzenart
Summer Paradise® → Zuchtserie
River Valley → Sorte
So wie ein Golf und ein Passat beide von Volkswagen stammen, aber unterschiedliche Eigenschaften besitzen, verhält es sich auch bei Alstroemerien.
Warum entwickeln Züchter überhaupt neue Serien?
Ganz einfach: Nicht jeder Garten ist gleich. Manche Pflanzenfreunde suchen kompakte Sorten für Balkon und Terrasse. Andere möchten große Pflanzen für Staudenbeete. Wieder andere interessieren sich für außergewöhnliche Blattfarben oder besonders lange Blütezeiten. Deshalb entwickeln Züchter unterschiedliche Serien, die jeweils bestimmte Schwerpunkte setzen.
Die wichtigsten Alstroemeria Zuchtserien
Inticancha®
Die Inticancha Serie gehört zu den beliebtesten kompakten Alstroemerien.
Typische Eigenschaften:
• kompakter Wuchs
• ideal für Töpfe und Kübel
• lange Blütezeit
• pflegeleicht
Bekannte Sorten:
• Bryce
• Maya
• Moon
• Magic White
• Sunstar
• Paraiso
Inca®
Die Inca Serie liegt größenmäßig zwischen den sehr kompakten und den größeren Gartenalstroemerien.
Typische Eigenschaften:
• mittlere Wuchshöhe
• vielseitig einsetzbar
• große Farbauswahl
• lange Blüte
Bekannte Sorten:
• Husky
• Fire
• Flamingo
• Goal
• Noble
• Ocean
• Safari
• Sweety
• Vanilla
Summer Paradise®
Hier wird es etwas größer. Die Summer Paradise Serie wurde für kräftige Gartenpflanzen entwickelt, die sich besonders für Beete eignen.
Typische Eigenschaften:
• kräftiger Wuchs
• höhere Pflanzen
• ideal für größere Beete
• oft beeindruckende Horstbildung
Bekannte Sorten:
• River Valley
• Spring Valley
• Times Valley
Majestic®
Der Name verrät bereits die Richtung. Majestic Sorten gehören zu den eindrucksvolleren Vertretern der Alstroemerien.
Typische Eigenschaften:
• kräftiger Aufbau
• hohe Wuchshöhe
• gute Beetwirkung
• hervorragend als Schnittblumen
Bekannte Sorten:
• Henri
• Lire
• Montsereau
• Serannt
Duchesse d’Anjou
Eine französische Zuchtserie mit besonderem Charakter.
Typische Eigenschaften:
• kompakter bis mittlerer Wuchs
• elegante Blüten
• lange Blütezeit
Bekannte Sorte:
• Aliénor
Princess
Die Princess Linie richtet sich eher an Liebhaber kompakter Pflanzen.
Bekannte Sorte:
• Little Miss Zoe
Und dann gibt es noch die Einzelgänger
Nicht jede Alstroemerie gehört zwingend zu einer bekannten Zuchtserie. Manche Sorten stehen weitgehend für sich selbst und werden vor allem über ihren Sortennamen bekannt. Das bekannteste Beispiel dürfte wohl Rock & Roll® sein. Diese Sorte hat sich durch ihr auffälliges weiß-grün panaschiertes Laub einen ganz eigenen Ruf erarbeitet. Viele Pflanzenfreunde erkennen Rock & Roll® bereits an den Blättern, lange bevor die erste Blüte erscheint.
Die Theorie und die Praxis
Bis hierhin klingt das alles ziemlich wissenschaftlich. Tatsächlich interessieren sich die meisten Hobbygärtner aber nur bedingt für Zuchtserien. Die meisten von uns stellen sich beim Pflanzenkauf eher folgende Fragen:
• Welche Farbe hat die Blüte?
• Wie hoch wird die Pflanze?
• Ist sie winterhart?
• Eignet sie sich für Topf oder Beet?
• Blüht sie lange?
• Hat sie etwas Besonderes?
Und genau so landen die meisten Alstroemerien im Einkaufswagen. Kaum jemand steht im Gartencenter und sagt: „Heute kaufe ich eine Inticancha.“ Viel häufiger hört man: „Oh, die sieht hübsch aus.“
Oder:
„Die hat ja tolle Blätter.“
Oder:
„Die passt noch genau in die Lücke dort hinten.“
Die Zuchtserie erfährt man oft erst später.
Mehr als nur Blüten
Wer sich länger mit Alstroemerien beschäftigt, entdeckt irgendwann etwas Interessantes: Nicht nur die Blüten unterscheiden sich. Auch das Laub kann völlig unterschiedlich wirken.
Einige Sorten besitzen:
• panaschierte Blätter
• verschiedene Grüntöne
• bronzefarbene Triebe
• silbrige Schimmer
• auffällige Blattzeichnungen
Dadurch bleiben sie selbst außerhalb der Blütezeit attraktiv. Gerade für Sammler wird dieser Aspekt oft genauso wichtig wie die Blütenfarbe. Ein gutes Beispiel sind Sorten wie:
• Rock & Roll®
• River Valley
• Spring Valley
• Summer Breeze
• Indian Summer
• Henri
• Jupiter
• Little Miss Zoe
Hier sorgt nicht nur die Blüte für Aufmerksamkeit. Das Laub trägt seinen Teil dazu bei und macht die Pflanzen über die gesamte Saison interessant.
Warum Zuchtserien trotzdem hilfreich sind
Auch wenn die meisten Pflanzenfreunde zuerst nach Farbe und Höhe auswählen, können Zuchtserien eine wertvolle Orientierung sein.
Sie verraten oft schon vor dem Kauf:
• ob eine Sorte eher kompakt bleibt
• ob sie sich für Töpfe eignet
• ob sie im Beet mehr Platz benötigt
• welche Wuchsform zu erwarten ist
• welche Besonderheiten die Züchter hervorgehoben haben
Gerade bei größeren Sammlungen kann das sehr hilfreich sein.
Mein Fazit
Zuchtserien bringen Ordnung in die erstaunlich vielfältige Welt der Alstroemerien. Sie helfen dabei, Pflanzen besser einzuordnen und ihre Eigenschaften bereits vor dem Kauf einzuschätzen. Für die meisten Hobbygärtner bleiben jedoch weiterhin die wichtigsten Fragen:
Gefällt mir die Blüte? Gefällt mir das Laub und habe ich überhaupt noch Platz dafür?
Denn genau dort endet meistens jede Theorie und beginnt die Praxis. Man entdeckt eine schöne Alstroemerie, verliebt sich spontan und nimmt sie mit nach Hause. Die Zugehörigkeit zu einer Zuchtserie wird dann oft erst später interessant.
Oder anders gesagt:
Man kauft die Pflanze wegen ihrer Schönheit. Die Zuchtserie lernt man erst kennen, wenn man längst angefangen hat zu sammeln.