Normalerweise sind unsere Winter hier sehr trocken und auch das Frühjahr hält sich eher mit Regen zurück. Eigentlich könnte man sogar sagen, dass es hier das ganze Jahr über überwiegend trocken ist. Doch der vergangene Winter und das Frühjahr hatten offenbar beschlossen, mich eines Besseren zu belehren. Statt Trockenheit gab es reichlich Feuchtigkeit und es regnete zeitweise wie aus Eimern. Der Frühling ließ sich ebenfalls wieder gehörig Zeit und wir mussten tatsächlich bis in den April hinein heizen.
Ich hatte fest damit gerechnet, dass meine Plümschen in diesem schweren Lehmboden und bei der ganzen Nässe einfach an den Wurzeln verfault wären. Aber nein, sie waren erstaunlich tapfer. Dieses Jahr gibt es tatsächlich nur zwei Pflanzen, die das feuchte Wetter nicht überstanden haben.
Womit ich allerdings am allerwenigsten gerechnet hatte, war eine Schneckeninvasion nach den ersten warmen und feuchten Tagen. Und nein, zum Glück keine Nacktschnecken. Dann wäre ich wahrscheinlich endgültig im Viereck gesprungen. Es waren lauter kleine Mini Hausschnecken, aus denen später dicke, fette Weinbergschnecken werden. Diese kleinen Schleimer besetzten meine Pflanzen, sogar die in den Töpfen. Das Zaungeflecht, Mugsys Gehege, die Fenster und sogar die Markise waren voll davon.
Wenn ich durch das Beet ging, knirschte es unter meinen Schuhen. Nicht etwa, weil der Boden so schön trocken war. Nein, weil überall Schnecken saßen. Wirklich überall.
Vor lauter Wut habe ich vollkommen vergessen, Bilder davon zu machen. Aber ich glaube, man kann sich dieses kleine Schnecken Armageddon auch ohne Foto sehr gut vorstellen.
Also bewaffnete ich mich mit einer Gartenschippe und machte mich daran, wenigstens den Versuch zu unternehmen, dieser Invasion ein Ende zu setzen. Nicht etwa, weil ich mich davor ekle, die kleinen Schleimer mit der Hand anzufassen, aber selbst diese Mini Schnecken besitzen teilweise ein erstaunlich stabiles Häuschen. Mit den Fingern bekommt man da kaum etwas ausgerichtet und leider hilft nur eines, wenn man sie dauerhaft loswerden möchte.
Nach stundenlangem Absammeln hatte ich schließlich die Nase gestrichen voll. Also streute ich großzügig Schneckenlinsen, ausdrücklich kein Schneckenkorn im Beet aus. Ob sie ihren Zweck erfüllt haben oder nicht, verrate ich euch später. Es lohnt sich also, bis zum Ende dranzubleiben.
Als wäre das alles noch nicht genug gewesen, legte meine Nachbarin in der darauffolgenden Woche ihren Unkrautgarten komplett flach. Eine nette Idee, nur leider suchten sich die vertriebenen Schleimer nun ein neues schattiges Zuhause. Natürlich ausgerechnet bei mir.
Herzlichen Glückwunsch! Invasion Nummer zwei war eröffnet.
Also alles wieder auf Anfang. Schippe in die Hand und auf ein Neues.
Und wenn jetzt noch einmal jemand behauptet, diese Schleimer würden ausschließlich vertrocknete Pflanzenteile fressen, dann ziehe ich demjenigen bildlich gesprochen erst einmal einen Zahn. Meine Irisblätter erzählen nämlich eine ganz andere Geschichte. An ihnen saßen die Schnecken in Scharen und fraßen sich genüsslich durch frisches, saftiges Grün. Von den Fraßspuren an meinen anderen Pflanzen möchte ich hier gar nicht erst anfangen.
Und nein, bevor jetzt jemand auf Blattrollwespen oder andere Übeltäter tippt. Diese Fraßbilder kenne ich inzwischen sehr gut und kann sie problemlos unterscheiden. Die Schäden stammen eindeutig von den Schnecken. So viel also zu der Behauptung, sie würden sich nur über Vertrocknetes hermachen. Meine Pflanzen würden dieser Theorie jedenfalls entschieden widersprechen.
Irgendwann war die Reifezeit meiner Akeleisamen erreicht und die trockenen Blütenstängel konnten abgeschnitten werden. Natürlich habe ich vorher die geöffneten Samenkapseln über dem Beet auf den Kopf gedreht, damit sich die Samen schön verteilen. Meine Hoffnung war, dass im nächsten Jahr an vielen Stellen neue Akeleien aufgehen und das Beet noch bunter und lebendiger wirken lassen.
Nach getaner Arbeit gönnte ich mir erst einmal eine Pause. Ein schön kaltes Brausebier hatte ich mir schließlich redlich verdient. Ich setzte mich hin, nahm den ersten Schluck und ließ den Blick zufrieden über mein Beet schweifen.
Doch die Ruhe währte nur wenige Sekunden.
Nach getaner Arbeit gönnte ich mir erst einmal eine Pause. Ein schön kaltes Brausebier hatte ich mir schließlich redlich verdient. Ich setzte mich hin, nahm den ersten Schluck und ließ den Blick zufrieden über mein Beet schweifen.
Doch die Ruhe währte nur wenige Sekunden.
Direkt an der Gehwegkante zum Beet herrschte plötzlich reger Betrieb. Ein schwarzer, wuselnder Haufen hatte meine Aufmerksamkeit geweckt. Ameisen! Ach, kein Problem, dachte ich mir. Die kleinen Kerlchen räumen eben wieder das Beet auf. So kenne ich sie schließlich. Die Aufräumkolonne des Gartens, immer fleißig und stets darauf bedacht, für Ordnung zu sorgen.
Diesen Gedanken hatte ich allerdings nur so lange, bis ich genauer hinsah. Da traf mich fast der Schlag. Die kleinen Biester hatten fein säuberlich einen Haufen aus genau den Akeleisamen angelegt, die ich wenige Minuten zuvor liebevoll im Beet verteilt hatte. Da sammelten sie doch tatsächlich meine komplette Aussaat wieder ein!
Neeee Freunde, so haben wir aber nicht gewettet! So etwas könnt ihr mit der Ober Generalität des Beetes nicht machen. Das geht gar nicht! Das ist ein absolutes No Go!
Also schnappte ich mir kurzerhand Schippe und Tuch und beförderte den sorgfältig angelegten Samenhaufen in meinen Gazebeutel. Dabei konnte ich die Ameisen förmlich schimpfen hören.
„Erst schüttet sie die ganzen Samen überall aus, wir räumen hier alles ordentlich auf und dann klaut sie uns unsere ganze Arbeit wieder!“
Tja, heult leise. Das sind meine Akeleisamen. Punkt. Ende der Diskussion.
Nun liegen die Samen sicher verwahrt im Gazebeutel und warten dort geduldig auf ihren Einsatz im nächsten Jahr.
Damit stand für mich allerdings auch fest, dass ich meine Pflanzen künftig wohl oder übel selbst vorziehen muss. Solange diese kleinen Räuber durch mein Beet patrouillieren, bleibt mir offenbar keine andere Wahl. Meine Aussaat würde sonst vermutlich schneller im Ameisenlager verschwinden, als ich „Akelei“ sagen kann.
Übrigens machen sie mit meinen Schneckenlinsen genau dasselbe. Alles, was ich abends sorgfältig im Beet verteile, ist am nächsten Morgen spurlos verschwunden. Ratze fatze weg! Das Beet ist geschniegelt und geschniegelt, als hätte ich nie auch nur eine einzige Schneckenlinse ausgestreut.
Immerhin hatte das Ganze auch einen kleinen Vorteil. Die Maulwurfsgrillen räubern die Nester der Ameisen aus und haben dabei wohl gleich die hübschen blauen Schneckenlinsen mit verspeist. Selbst schuld! Katzen, Hunde, Igel und Vögel lassen die Finger davon. Die wissen offenbar ganz genau, warum.
Nun warte ich gespannt darauf, womit mich mein Blumenbeet als Nächstes überrascht. Irgendjemand findet sich schließlich immer, der meint, meine Pflanzen umgestalten, auffressen oder mir einfach den letzten Nerv rauben zu müssen.
Nun warte ich eigentlich nur noch darauf, womit mich mein Blumenbeet als Nächstes überrascht. Vielleicht gründet demnächst noch ein Maulwurf eine Eigentümergemeinschaft unter meinem Beet oder die Amseln eröffnen einen Lieferservice für Schnecken. In meinem Garten scheint inzwischen alles möglich zu sein. Irgendjemand findet sich jedenfalls immer, der der Meinung ist, mein Blumenbeet umgestalten, leer futtern oder mir einfach den letzten Nerv rauben zu müssen.
Hinweis: Ergänzend zu eigenen Fotos wurden auf dieser Seite teilweise KI erzeugte Illustrationen verwendet.