Die Alstroemerie die keine Grenzen kennt

Ich habe da eine Alstroemerie. Über sie könnte man eigentlich einen kleinen Actionfilm drehen. Der passende Titel wäre wohl: Eine gegen alle.

Mit ihr fing hier in Bulgarien alles an. Sie war ein Geschenk meiner Nachbarin und die allererste Alstroemerie, die den Weg in mein Blumenbeet fand. Das ist inzwischen fast sieben Jahre her. Nachdem ich die Alstroemerien in Deutschland wegen der kalten Winter aufgegeben hatte, habe ich mich über dieses Geschenk natürlich riesig gefreut. Dass sie einmal den Grundstein für meine heutige Sammlung legen würde, hätte ich damals allerdings nie gedacht.

Die Begeisterung war damit natürlich geweckt. Kurze Zeit später entdeckte ich im Baumarkt eine große Tüte mit Alstroemerien, auf der groß „Mischung“ stand. In Gedanken sah ich mein Beet bereits in den unterschiedlichsten Farben erblühen und nahm sie voller Vorfreude mit nach Hause.

Die Überraschung folgte allerdings erst später. Nach und nach stellte sich heraus, dass alle Pflanzen genau dieselbe Sorte waren wie die Alstroemerie meiner Nachbarin. Von einer bunten Mischung fehlte jede Spur. Rückblickend kann ich darüber schmunzeln, auch wenn ich damals doch etwas enttäuscht war. Immerhin war damit ungewollt der Grundstein für meine heutige Leidenschaft gelegt.

Bis heute kenne ich ihren Namen nicht. Vielleicht möchte sie auch einfach geheimnisvoll bleiben. Dafür hat sie einen ganz anderen Charakterzug entwickelt. Rücksicht auf ihre Nachbarn kennt sie nämlich überhaupt nicht. Sie wächst genau dort, wo sie nicht soll, verdrängt alles, was ihr in die Quere kommt, und taucht plötzlich an Stellen auf, an denen ich sie garantiert nicht eingepflanzt habe.

Man könnte fast meinen, ihr Lebensmotto lautet: Aus dem Weg, hier komme ich!

 

 

 

Ihr Eroberungsdrang macht allerdings nicht einmal vor ihren Artgenossen Halt. Rechts von ihr wachsen meine Alstroemerien ‚Jupiter‘ und ‚Indian Summer‘. Beide mussten schon mehr als einmal erfahren, dass ihre namenlose Nachbarin keinerlei Berührungsängste kennt. Mit ihren Wurzeln und neuen Trieben schiebt sie sich immer weiter in deren Revier und versucht mit erstaunlichem Erfolg, ihnen den Platz streitig zu machen.

Auch die kleinen doldenbildenden Alstroemerien direkt vor ihr bleiben nicht verschont. Kaum entdecken ihre Triebe eine freie Stelle, wird sie sofort in Beschlag genommen. Es scheint fast so, als würde sie heimlich einen Plan verfolgen, nach und nach das gesamte Beet zu übernehmen.

Ohne regelmäßiges Eingreifen hätte sie wahrscheinlich längst einen Großteil meines Alstroemerienbeets erobert. Deshalb greife ich immer wieder beherzt ein und schicke sie zurück auf ihren Platz. Das beeindruckt sie allerdings nur kurzfristig. Nach kurzer Zeit startet der nächste Eroberungsversuch.

11 21.06.2023 Inkalilie Nachbarin
27 24.05.2024 inkalilien beet
04 Höhe

 

 

 

 

So sehr sie mich manchmal zur Verzweiflung bringt, eines muss ich ihr neidlos anerkennen. Mit einer Höhe von bis zu 90 cm überragt sie sämtliche Alstroemerien in meinem Beet. Selbst meine Majestics, die eigentlich zu den größten Sorten gehören, können da nicht mithalten. In Sachen Höhe ist sie ganz klar die unangefochtene Königin meines Alstroemerienbeetes.

05 Höhe
74 18.05.2024 Inkalilie Ligtu Hyb
76 18.05.2024 Inkalilie Ligtu Hyb

Trotz ihrer kleinen Starallüren darf sie natürlich bleiben. Schließlich war sie die erste Alstroemerie in meinem bulgarischen Garten und hat den Grundstein für meine heutige Sammlung gelegt. Man könnte also sagen: Ohne diese namenlose Eroberin gäbe es mein heutiges Alstroemerienbeet wahrscheinlich gar nicht. Deshalb wird sie zwar regelmäßig in ihre Schranken gewiesen, aber niemals verbannt. Irgendwie gehört sie einfach zur Familie.

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